Der Kegelsport

Sportkegeln, mehr als Sauferei.
von Jonas Brauburger

Sportkegeln, ein funtastischer Sport. – So oder so ähnlich betitelt einer der vielen Kegelonlineshops den Kegelsport. Was einst als Sport für Jahrmärkte begann und eher dem heutigen Boule, denn der modernen Form des Kegelns glich, macht seit mehreren Jahrzehnten eine Wandlung vom reinen Spaß- und Kneipensport hin zu einem international anerkannten Leistungssport durch. Sicher ist das Sportkegeln noch weit von einer Anerkennung als olympische Disziplin entfernt, hunderttausende aktive Kegelsportler aller Nationen zeigen jedoch, dass Kegeln längst im Leistungssport angekommen ist, sei es nun als Mannschaftssport im Ligabetrieb, als Einzel- und Teamwettbewerb in (über-)regionalen Leistungskämpfen oder in großen Events wie Welt- und Europameisterschaften mit mehreren tausend Zuschauern. Kegeln als Leistungssport erfreut sich einer soliden Beliebtheit und medialer Aufmerksamkeit.

Im Kegelsport gilt es drei Bahnarten zu unterscheiden. Diese unterscheiden sich in Länge und Aufbau sowie unterschiedlichen Spielsystemen. Kegelsport als Leistungssport mit großen Wettbewerben und der international riesigen Keglergemeinde findet auf sogenannten Classicbahnen statt. Diese weisen eine Länge von etwa 20m auf, verlaufen in durchgängiger Breite nach vorn und sind in der Lauffläche völlig eben. Die Bahn selbst ist dabei aus Kunststoff oder Asphalt, kann in einem Guss oder in zusammenschraubbaren Einzelsegmenten angelegt sein und weist die für den Kegelsport typische rautenförmige Anordnung der neun Kegel auf.

Kegelanordnung und Nummerierung (Röttgen, 1982)

Kegeln und Bowling sind historisch natürlich eng verwandt. Von der Tatsache, dass für beide Sportarten Bahnen sowie Kugeln benötigt werden mal abgesehen, haben die Sportarten jedoch nichts gemein. Die Bahn selbst ist aus anderem Material, die Kegeln oder Pins haben eine andere Form, andere Anordnung und andere Anzahl, die Kugeln unterscheiden sich in Gewicht und Anzahl der Löcher (keine Löcher und zwei Löcher für ältere, behinderte oder niedrigklassige Spieler), der Anlauf und die Auflagefläche gestalten sich unterschiedlich und das Spielsystem ist ein gänzlich anderes. Auch unterscheidet sich die klassische Sprache der Bowler von denen der Kegler. Was dem Bowling ein Strike, ist dem Kegeln der Neuner. Die bekannten Pins sind Kegel (oder regional auch Keil). Zappe, Kranz oder Brandenburger Tor sind Bezeichnungen, die nur der Kegelsport kennt. Im Gegensatz zum Bowling werden die Kegel im Kegelsport von Seilen gehalten und geführt, was das Fallverhalten stark beeinflusst, Kegelwertung ohne Umfallen des Kegels ermöglicht (insofern das Seil stark genug gezogen wird), jedoch auch zu Verhädderungen führen kann, die manuell entwirrt werden müssen. Durch kleinere und leichtere Kugeln, fehlende Löcher, weniger Kegel, eine höhere Wurfzahl – gern auch als Distanz bezeichnet – sowie eine viel höhere Gewichtung des Spielens auf einzelne Kegel oder Bilder, ist der Kegelsport deutlich anspruchsvoller als das bekanntere Bowling. Gute Kegler haben so meist keine Probleme Bowlern Konkurrenz zu machen. Andersrum sieht das freilich etwas anders aus. Das typische Anschneiden der Kugel zur Erreichung eines bogenförmigen Laufs wird man im Leistungskegeln zudem vergeblich suchen.

Die Einzelbewegung eines Keglers, beginnend bei der Aufnahme der Kugel und endend bei deren Abwurf, wird im Kegelsport schlicht als ein “Wurf” oder ein “Schub” bezeichnet. Kegeln ist – von Einzelwettbewerben abgesehen – ein Mannschaftssport. Die Mannschaftsstärke unterscheidet sich je nach Spielklasse.

Im Classic-Kegeln gibt es zwei Grunddisziplinen, das sogenannte Vollenspiel (kurz “Volle” oder “in die Vollen”) sowie das Abräumen. Bei Ersterem wird jeder Wurf – je nach Distanz in anderer Anzahl und Staffelung – auf das volle Bild absolviert. Hierbei werden üblicherweise mehr Punkte als “ins Abräumen” erzielt. Letzteres erfordert deutlich mehr Präzision und Geschick. Hierbei wird ein Wurf auf das volle Bild absolviert, nicht umgeworfene Kegel müssen mit weiteren Würfen abgeräumt werden. Ist das Bild vollständig abgeräumt und die maximale Wurfzahl nicht erreicht, wiederholt sich dieses Schema entsprechend. Ein guter Kegler versucht hier im Schnitt alle drei Wurf oder weniger ein Bild abzuräumen. Besonders schwierige Bilder oder Bilder die wahrscheinlich zu mehr als den angestrebten drei Würfen pro Bild führen, tragen oft bestimmte inoffizielle Bezeichnungen, ebenso wie bestimmte Fallsachverhalte. Auf das volle Bild wird üblicherweise in die Hausgasse gespielt.  Das vordere Holz der rautenförmigen Anordnung (“Vorderholz”) wird hier also je nach Präferenz des Keglers oder Eigenheiten der Bahn rechts oder links versetzt angespielt. Das Spiel in die Gasse verspricht die höchsten Fallergebnisse, eine absolut grade Kugel auf die Mitte hingegen bringt oftmals nur wenige Punkte.

Im Jugendsektor wird mit kleineren Kugeln (140mm) gespielt. Hierdurch können die Kugeln besser gehalten, in aller Regel jedoch schlechtere Ergebnisse erzielt werden. Das Spiel mit Lochkugeln ist erst ab einem gewissen Alter, bei Behinderung oder in unteren Klassen gestattet. Kleine Kugeln können aufgrund ihres geringeren Durchmessers gelegentlich zwischen den Kegeln hindurch laufen. Insofern kein Kegel der vordersten Reihe fällt, darf solch ein Wurf (“Durchläufer”) wiederholt werden.

Gegenwärtig ist der Kegelsport in Deutschland in zwei großen Dachverbänden (“DCU” mit altem Spielsystem und wenigen Mitgliedern sowie “DKBC” mit gängigem Spielsystem und der Mehrheit der deutschen Kegler) mit auf Bundesebene separaten Ligen und anderem Spielsystem organisiert. In den zusammengehörenden, darunterliegenden Landes- und Bezirksebenen findet im Spielsystem ebenfalls (noch) eine Trennung statt, die überwiegende Mehrheit spielt jedoch nach internationalem 120-Wurf-System, dem auch der DKBC angehört.

In der noch existierenden DCU werden in den oberen Herrenklassen vier Mal 50 Wurf (25 Volle, 25 Abräumen) von jedem Spieler jeder der zwei aufeinandertreffenden Mannschaften absolviert. Damenklassen absolvieren pro Spieler zwei Mal 50 Wurf. Es treffen immer zwei Mannschaften aufeinander. Gewonnen hat die Mannschaft, die in Summe über die Einzelergebnisse der Spieler die meisten Punkte (auch als Leistungspunkte oder Holz bezeichnet) erreicht hat.

International, auf Ebene des DKBC und in den meisten Klassen der Landesverbände werden vier Mal 30 Wurf pro Spieler (15 Volle, 15 Räumen) ausgetragen. Gewonnen hat hier die Mannschaft, die am meisten Satzpunkte erreicht. Satzpunkte ermitteln sich aus direktem Vergleich der Gegenspieler pro Durchgang (30 Wurf) sowie aus Sonderpunkten für die meisten Mannschaftsholz.

Im Aschaffenburger Großraum wirkt ein weiterer Kegelverein („KV Aschaffenburg“ bzw. „VdK Aschaffenburg“), in dem ein Gros der Sportler am Untermain zusätzlich zu ihrem Stammverein Mitglied ist. Hierdurch ermöglicht es der KV Aschaffenburg talentierten Sportlern vereinsübergreifend an überregionalen Wettbewerben unter der Vereinsbezeichnung „KV Aschaffenburg“ teilzunehmen. Durch diese Sonderrolle und hierdurch ermöglichter großer Kaderwahl konnte der KV Aschaffenburg bereits zahlreiche nationale Erfolge erringen.

Im Wettkampf hat jeder Spieler 12min. pro Durchgang Zeit die 30 Wurf zu absolvieren. Im veralteten 200-Wurf-Modus sind pro Durchgang 20min. vorgesehen. Das Warmspielen vor den eigentlichen 100/200/120 Wurf erfolgt für 5min. Dies dient weniger dem eigentlichen Warmmachen als dem Lesen der Bahneigenarten. Schiedsrichter sind nur in oberen Spielklassen vertreten. Sie übernehmen die Koordination des Spiels, die Ergebnisverwaltung und klären strittige Fragen im Spielgeschehen. Der Schiedsrichter kann gelbe und rote Karten erteilen. Anders als beim Fußball wird der Kegler bei Zücken der roten Karte jedoch nicht von der Bahn gestellt. Auf eine gelbe Karte können ausschließlich, aber beliebig viele rote Karten Folgen. Die Direktvergabe einer roten Karte ist nicht vorgesehen. Während die gelbe Karte folgenlos bleibt – jeder Spieler also einen Fehltritt frei hat – wird bei Erteilung der darauf folgenden roten Karte(n) der absolvierte Wurf punktemäßig nicht gewertet. Sollte ein Bild im Abräumen geräumt worden sein, so ist das Bild auch nach Erteilen einer roten Karte geräumt, lediglich die Punkte werden nicht addiert.

Um die Fallergebnisse zu erhöhen, werden mittlerweile zahlreiche Hilfsmittel genutzt. So besteht die Möglichkeit die Kegelstellfläche und Kegel zu wachsen, die Außenwände der Bahnen (sogenannte Schlagwände) zu verstärken um einen besseren Federeffekt zu erzielen, die Seile der Kegel weiter oder enger zu stellen oder den Typ des Kegels zu ändern. Neben der Wahl der Form der genutzten Kegel (dickbäuchige oder dünne Kegel) kann die Wahl der Kegel auch nach unterschiedlichem Füllmaterial oder anderen Kegelfußtypen erfolgen. Tendenziell werden die besten Ergebnisse auf dickbäuchigen Kegeln erzielt.

dünn- und dickbäuchige Kegel

Je nach Zusammenstellung der Hilfsmittel zur Fallergebnisverbesserung und nach Art des Belags der Bahnfläche, unterscheiden sich die Fallergebisse im Kegeln erheblich. Daher wird zum internen Vergleich der Kegler und Mannschaften der Auswärtsschnitt herangezogen. Jede Bahn hat ihre Eigenarten, was Einfluss auf den Verlauf und die Geschwindigkeit der Kugel auf der Bahn nimmt. So laufen manche Bahnen eher nach rechts, andere nach links oder auf die Mitte zu. Der Erfolg eines Keglers hängt also maßgeblich davon ab, ob er in der Lage ist, die Bahneigenarten lesen und nutzen zu können. Die Bahneigenarten und die Möglichkeit auf diese gezielt  hinzutrainieren, sind ein wichtiger Grund für bestehende Heimvorteile von Mannschaften. Segmentbahnen (also Bahnen deren Lauffläche aus verschraubten Platten besteht – daher auch Plattenbahnen genannt) stehen im Ruf schwerer zu lesen und zu spielen zu sein, da sie oft langsamere Kugelläufe aufweisen und daher für Auflagefehler anfälliger sind.

Ein ungeübter Kegler erreicht auf 120 Wurf – dickbäuchige Kegel und ein normales Maß an Wachs bei gut gepflegter Kegelbahn vorausgesetzt – zumeist an die 360 Holz. Nach einiger Zeit des Trainings sind Ergebnisse von um die 480 Holz zu erwarten. In unteren Klassen des 120-Wurf-Sektors sind mindestens 500 Holz zu erwarten, die bis zu den Bundesligen auf durchschnittliche 600 Holz und mehr ansteigen. Gerade in der ersten Bundesliga DKBC der Herren sind Ergebnisse, die deutlich über 600 Holz liegen keine Seltenheit. Die besten Kegler und Keglerinnen erreichen so einen Auswärtsschnitt von 680 Holz. Die offizielle Bestmarke der Herren liegt gegenwärtig bei 771 LP. Ergebnisse von über 700 Leistungspunkten sind vergleichsweise selten.

Bahnfrei Damm ist es ein großes Anliegen, den Kegelsport als Jugendsport attraktiver zu machen! Ohne Nachwuchs stirbt auch unser Sport aus – ohne Nachwuchs geht auch unser Verein vor die Hunde! Gegenwärtige technische Entwicklungen in der Vernetzung und ein damit jederzeit gewährleisteter Zugang zu sozialen Kontakten erschweren die Vereinsarbeit. War der Verein früher Hauptangelpunkt des Soziallebens, macht dieser gegenwärtig einen Bedeutungswandel weg vom Freizeitinhalt hin zur eher beiläufigen Freizeitbereicherung durch. Dieser Entwicklung muss nicht aktiv begegnet, viel mehr muss diese angenommen und genutzt werden! Wir bieten daher Kegelspaß ohne Aktivenverpflichtung, ein topmodernes Umfeld und Freizeitgestaltung nach Maß, engagieren uns aktiv auch vereinsübergreifend für den Kegelsport (bspw. durch aktive Betreuung und Mitarbeit im Webauftritt unseres Begleitvereins und HKBV-Bezirks) und möchten nichts mehr, als den Kegelsport durch die kommenden Jahre und Jahrzehnte sportlich zu tragen und nach Kräften zu stützen!